Jewish Film Festival Berlin zu Gast in Potsdam
Freitag, 7. Mai | 18 Uhr
Der kleine Zalam R: Julia Tal, Despina Grammatikopulu, D 2009, Dok., 64’
In Anwesenheit der Regisseurin Julia Tal
Als Hitler 1933 an die Macht kam, war es für Walter Kristeller in Berlin zu Ende. Er packte seine Film- und Fotoapparate und machte sich auf den Weg nach Palästina. Während viele seiner Arbeitskollegen bei der UFA Babelsberg ihr Glück in Amerika suchten, verkündete Walter überraschend, er werde dorthin gehen, wo er als Jude hingehöre.
75 Jahre später macht sich die Filmemacherin Julia Tal auf die Suche nach dem Werk ihres Großvaters. Israel feiert in diesem Jahr sein 60jähriges Bestehen. Vorort erscheint Walters Legende in einem anderen Licht. Statt mit seinen Pioniertaten und Filmen sieht sich die Filmemacherin gezwungen, sich immer stärker mit den gegenwärtigen Konflikten auseinanderzusetzen, deren Ursprünge bis in Walters Zeit zurückreichen.
20 Uhr
Ajami
R: Scandar Copti, Yaron Shani, D: Shahir Kabaha, Ibrahim Frege, Fouad Habash, Israel/D 2009, OmU, 120’
In Anwesenheit des Produzenten Thanassis Karathanos
Vor und nach dem Film: Empfang im Foyer. Mit freundlicher Unterstützung der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Potsdam e.V.
Der Oscarnominierte, mit Laiendarstellern besetzte Film verbindet Geschichten von Juden und Arabern, Christen und Muslimen in Ajami, einem Armenviertel von Jaffa/Tel Aviv. Omar muss eine große Summe Lösegeld auftreiben, um eine verfeindete Familie auszuzahlen. Sein Freund Malek arbeitet illegal im noblen Restaurant des Vaters von Omars Freundin, in die er eigentlich gar nicht verliebt sein dürfte. Der jüdische Polizist Dandos leidet unter dem Verschwinden seines Bruders, der Opfer von Terroristen geworden sein könnte.
Erstmals haben für einen abendfüllenden Spielfilm ein israelischer und ein arabischer Regisseur zusammengearbeitet. Ihr Blick reicht tief unter die Oberfläche der politischen Situation im Nahen Osten.
Samstag, 8. Mai | 18 Uhr
A Film Unfinished Shtikat Haarchion
R: Yael Hersonski, Israel/D 2010, Dok., OmU, 89’
Ausgangspunkt des Films sind 62 Minuten unvertontes, nur teilweise geschnittenes Filmmaterial aus dem Warschauer Ghetto. Jahrzehntelang wurden einige dieser Bilder als authentisches Archivmaterial verstanden und verwendet. Für ihren Film befragte Yael Hersonski Augenzeugen, die sich an die Dreharbeiten des Propagandafilms erinnern, suchte nach Aufzeichnungen in geretteten Tagebüchern von Bewohnern des Ghettos und fand das Verhörprotokoll des Kameramanns der Aufnahmen. Dabei stellte sich heraus, dass die Aufnahmen offenbar 1942 von NS-Propaganda-Filmern gezielt inszeniert wurden. Ihre Zeugnisse belegen den Zynismus der damaligen Dreharbeiten und stellen die unkritische Verwendung so entstandener Aufnahmen in Frage.
20 Uhr
Ahead of Time
R: Bob Richman, USA 2009, Dok., OmU, 73’
Ruth Gruber, 97, arbeitete siebzig Jahre lang als Journalistin und Autorin. Sie katapultierte sich aus Brooklyn direkt in die Weltpolitik und begleitete einige der wichtigsten Weichenstellungen in der jüngeren Geschichte, vor allem auch der jüdischen. Als Oberschülerin begeistert für die deutsche Kultur, erhielt sie ein Stipendium an der Universität Köln, wo sie im Alter von nur zwanzig Jahren zur weltweit jüngsten Trägerin eines Doktortitels wurde. Unbeeindruckt durch die Tatsache, dass Journalisten damals fast ausschließlich Männer waren, bahnte sie sich hartnäckig ihren Weg. Ihre äußerst menschlichen Berichte zogen das Augenmerk der Welt auf die Nürnberger Prozesse, die Treffen der Vereinten Nationen in Palästina und die Gründung des Staates Israel. Gruber zeigt sich in dieser handwerklich ausgezeichneten Dokumentation voll faszinierender Archivaufnahmen gleichermaßen fesselnd amüsant und nachdenklich.
22 Uhr
Ajami (Wiederholung)
R: Scandar Copti, Israel/D 2009, OmU, 120’
Sonntag, 9. Mai | 18 Uhr
Mazel Tov
R: Thomas Bergmann, Mischka Popp, D 2009, Dok., 91’
In Anwesenheit der Regisseure Thomas Bergmann und Mischka Popp
Sie kommen aus Russland. Sie sind Juden. Ihre Religion und ihre Kultur waren in der UdSSR verboten. Als sich die Grenzen öffneten vor 20 Jahren, machten sie sich auf den Weg. Hunderttausende wanderten aus. Viele nach Deutschland, sie bildeten vorübergehend sogar die am schnellsten wachsende jüdische Gemeinde weltweit. Der 9. Mai ist ein besonderer Tag für sie: Der Tag der Befreiung, der Tag des Sieges. Da legen die Alten die Orden an und erzählen vom Kampf gegen Nazi-Deutschland. Und die Jungen haben Tränen in den Augen. Die Band spielt "Mazel Tov": Glückwunsch, dass ihr gekämpft habt. Dass ihr hier seid. Die Geschichte der jüdischen Kämpfer in der Roten Armee ist eine unterdrückte Geschichte, unerhört und unglaublich zugleich. Die Alten im Film erzählen sie. Mit Würde, ohne Hass.
20 Uhr
A Room and a Half Poltory komnaty ili sentimentalnoe puteshestvie na rodinu
R: Andrey Khrzhanovskiy, D: Aleksandr Bargman. Sergei Barkovsky, Aleksei Devotchenko, RU 2009, OmE, 130’
Das Spielfilmdebüt des erfahrenen Animateurs und Dokumentarfilmers Andrey Khrzhanovsky ist ein lyrisches Meisterwerk mit Bildern aus dem Leben des mit dem Nobelpreis ausgezeichneten russischen Dichters Joseph Brodsky. Khrzhanovsky verwebt geschickt die erfundene Geschichte des anonymen Besuches eines älteren, im Exil lebenden Brodsky in seiner Heimatstadt St. Petersburg mit der Story von dessen Aufwachsen als Einzelkind in der sich rasant verändernden Ära nach dem Zweiten Weltkrieg. Selten wurde St. Petersburg so wundervoll dargestellt wie in diesem nostalgischen Lobgesang auf die Kindheit und eine Sowjetunion, die ihre Dichter und Autoren liebte.
Mit seiner kinematischen Alchemie aus Musik, Animation und Drama verneigt sich der Regisseur zudem vor der Literatur und erschafft Brodsky zu Ehren eine eigene filmische Version von Prousts „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“.
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