LIEDERliches Kabarett: Ute Apitz als PEGASUSE in der Kulturscheune Marquardt

In der Kulturscheune in Marquardt am 08.05.2010 lud zur Premiere des neu inszenierten Programms von und mit Ute Apitz als PEGASUSE ein. Ob die Marquardter wissen, dass in ihrer Nachbarschaft eine begabte Kabarettistin wohnt?

Der fast gefüllte Saal in ländlicher Beschaulichkeit bestätigt diese Vermutung und er zeigt sich als ein Gemisch aus Neugier und dem Wunsch nach abwechslungsreicher Unterhaltung. Was für den Heimatverein Marquardt der Start in den Kultursommer 2010 war, ist für Ute Apitz der Beginn einer hoffnungsvollen Zukunft. Früher in Begleitung, so steht sie in ihrem neuen Leben als PEGASUSE allein auf der Bühne. Der leicht bizarre Ton mit dem sie bei ihrer „Neuauflage“ die Bühne betrat, war so nicht geplant, hätte aber gut als Anfang gedacht sein können. Die kleine „Panne“ wirkte nahezu echt und mit improvisatorischer Sicherheit gelang Ute Apitz die liebevolle Beziehung zu ihrem Therapeuten in LIEDERlicher Manier auf die Bretter zu zaubern.

Die musikalische Begleitung wurde im Studio mit ihrem Musiklehrer und Komponisten Jimmi Gutz arrangiert, der es sich nicht nehmen lies, die Zugabe „Mein Kind es wurde aus Liebe gemacht“ persönlich am Piano zu begleiten. Unter der Regie von Lina Wendel entstand ein reifes poetisches Kabarettprogramm mit eigenen Texten und Liedern aus dem gelebten und alltäglichen Leben - gespielt mit großer ungebannter Leidenschaft. Mal nachdenklich, mal impulsiv nähert sie sich dem Unvermeidlichen: Der Auseinandersetzung mit dem eigenen Selbst, den Fragen an Gott und die Welt und erkennt sich währenddessen als Un-Frau: ungeduldig, ungezogen, unanständig, unbestechlich, unentbehrlich, unwiderstehlich, … - eine Frau ohne „un“ bleibt für sie unvorstellbar!

Im Rhythmus der Kistentrommel (Cajones) bekennt sie weiter:
„Ick bin bekannt als Unfügsame, ick mache grad' Bestandsaufnahme, mir jeht so ville jejen Strich ...“ ,
bisweilen klingen ihre lebensnahen Texte wie eine indirekte Aufforderung zur Selbstreflexion. In ihren Geschichten liegt ein gewisses Potential an Wiedererkennungswert. Ihr durchdringender Witz lebt von den subtilen Doppeldeutigkeiten, ihren intelligenten Wortspielen und dem Hang, sich selbst immer neu zu erfinden. Im zweiten Teil der Vorstellung kommt der Zuschauer nun auch endlich hinter den Schleier der PEGASUSE.
Die Figur ist die weibliche Variante des aus der griechischen Mythologie stammenden Pegasos, der ein geflügeltes Pferd symbolisiert. In übertragener Bedeutung ist Pegasos das Flügeltier, das alle Dichter reiten. Wandlungsfähig, das trifft als Umschreibung auch auf Ute Apitz zu – so wie der berühmte Nagel den Kopf. Sie hat eine brillante „Wegbeschreibung“ zur Namensfindung PEGASUSE vorgetragen, eben Geschichtsdeutung auf eine ganz besondere Art.

Sobald sie aber zur Gitarre greift, dann schlüpft sie scheinbar in eine andere Person. Manche Programmteile könnten unterschiedlicher nicht sein. Und das ist dann auch das wirklich Sehenswerte, wie sie die lauten und leisen Programmteile kombiniert. Ihre liebesgetränkten Lieder gehen auch dem Unnahbaren ziemlich nah und dann spürt der Zuschauer und -hörer eben diese Leidenschaft, die „Leiden schafft“, und sie zelebriert in unverwechselbarer brandenburgischer Mundart:

„...denn werd ick wieder lebendig, och geistig rege und wendig, … und bekomme uf da Stelle – Kreativitätsanfälle … och manchmal Wut, die macht mich, gleich wieder leidenschaftlich ...“

so verabschiedet sie sich vom Publikum weckt zugleich die Hoffnung der Zuschauer auf mehr – auf viel mehr!