Ausstellung im Pavillon auf der Freundschaftsinsel
vom 14.11.-29.11.2009
gegenwärtig - vergangen
≈ tanagra ≈
objekt installation fotografie
Keine Zeit des Jahres lässt uns das Spiel von Werden und Vergehen deutlicher spüren als der Herbst. In naturgesetzmäßiger Wiederkehr erwarten wir den neuen Tag in hoffnungsvoller Gewissheit. Niemand würde da einen Zweifel hegen. Dieser Zyklus von Tag und Nacht ist ein ewigliches Ereignis mit absoluter Trefferquote. Jenes Zeitempfinden ist uns wie selbstverständlich implantiert und ständig gegenwärtig. Routine und Akzeptanz als Symbiose einer Endlosschleife von minderer Bedeutung? Unser Zeitgefühl ist relativ und neben dem Geld haben wir vor allem zu wenig Zeit. Die Zeit und unsere Perspektiven auf dem Zeitstrahl sind dem Menschen immer gegenwärtig, gleichwohl leben wir mit jedem Tag bereits in der Vergangenheit und in der Erinnerung an gestern. Mein Gedankengang vor einer Stunde, vor Minuten und selbst vor Sekunden – sie sind Geschichte und damit Erfahrung. Sich diesem Umstand gelegentlich bewusst zu werden, kann eine Übung des Loslassens sein. Der Aspekt der Zeit und das Empfinden der Vergänglichkeit sind die durchdringenden Themen der Ausstellung.
Von den tragenden Gedanken meinerseits zu den Initiatoren: geschätzte Künstler aus der Region in und um Potsdam nahmen vermutlich auch diese Motive zum Anlass, um eine beachtenswerte Präsentation ihres Könnens zu kreieren, die im Pavillon auf der Freundschaftsinsel in angemessener Atmosphäre noch bis zum kommenden Sonntag, 29.11.2009, interessierte Besucher erwartet. Die Installation erinnert weiterhin an die Reduktion auf das Wesentliche und an Schlichtheit in reiner Form. Sie wirkt dadurch besinnlich und heilsam zugleich. Die Komposition aus Figuren und Fotografien erzeugen eine Stimmung von Austausch im Werden und Wachsen über das Körperliche hinaus. Dass das Leben in seiner Vergänglichkeit auch Verschwendung sein kann, geben drei Tafeln in anonymer Prägung zum Ausdruck, die einerseits das Gefühl der Ohnmacht nachvollziehen lassen, aber dennoch auch die Möglichkeiten von Handlungsweisen suggerieren.
Die Fotografien von Klaus Fahlbusch, seines Zeichens ein begnadeter Fotograf und in Potsdam wirkend, inszenieren auf beeindruckende Art das Wesen vom Werden und das Annehmen von der Gestalt zum menschlichen Sein. Seine vom Detail inspirierten MOMENTaufnahmen zwingen den Betrachter geradezu das Innenleben des Dargestellten ergründen zu wollen. Diese Lebendigkeit kommt ebenso in den Werken der Künstler, insbesondere von Heike Pfitzner-Adner, Ilka Raupach, Gabriela Welter und Carla Schönfelder in dreidimensionaler Form zum Ausdruck. Für all jene Galerieliebhaber, die sich nicht mit altgriechischer Mythologie auskennen, sei ein kleiner Verweis gestattet, der die Begrifflichkeit des Titels der Ausstellung erklärt: Tanagra(-Figuren) haben ihren Ursprung in der Antike. Ihre Herkunft wird auf die böotische Stadt TANAGRA in Zentralgriechenland zurückgeführt. Die aus Terrakotta geformten und gebrannten Frauenfiguren in sitzender oder stehender Haltung dienten zunächst als Grabbeigabe für besonders früh verstorbene Frauen. Schön, weise und in den Künsten begabt entsprachen sie dem Wunschbild einer vollkommenen Frau. Als Glücksbringer dienten sie auch den lebenden Damen, besonders in Athen, die sie stets in ihrer Nähe hatten. Verlust und Zerstörung galt als Unglück.
Die Skulpturen von Heike Pfitzner-Adner, in Anlehnung der antiken Tangara-Figuren, geben der Aus-stellung eine gewisse Dynamik und sie zeigen diesen stetigen Rhythmus unseres Daseins genauso offenbar, wie unsere Fähigkeit zum Wandel in allen Phasen unseres Lebens…
„gegenwärtig – vergangen“ - ist der Abschluss eines Kunstprojekts in 3 Phasen, das am 03.05.2008 zum „Tag des offenen Ateliers“ begann. Mehr Informationen zur Kunst und den Künstlern unter:
http://www.tanagra-kunst.de/tangara-kunst.de/tanagra.html.
Öffnungszeiten: Mittwoch-Sonntag von 11.00 – 17.00 Uhr.
Ein ene kurze Reise durch die Veranstaltung
> Video der Ausstellungseröffnung
Harriet Modler
Potsdam, 23.11.2009










